Dörrzwetschken

In meiner Kindheit in Vorarlberg besuchte ich manchmal meine Großeltern, die nebenan wohnten. Sie hatten eine große Wiese mit riesigen Apfel- und Zwetschkenbäumen. Mein Opa nahm mich oft mit zum Hasenstall, wo ich die kleinen Kaninchen füttern durfte. Löwenzahn mochten sie am liebsten. Mein Opa war Schmied und Selbstversorger. Er hielt Hühner, ein Schwein, manchmal eine Ziege und baute sämtliches Gemüse an. Im und nach dem Krieg mussten seine sieben Kinder nie hungern. Den französischen Besatzern bot er im Tausch gegen andere Lebensmittel sogar selbstgezogenen Tabak an. In seiner Hosentasche hatte er immer ein paar Dörrzwetschken. Als wir durch die Wiese mit dem kniehohen Gras stapften, reichte er mir manchmal eine dieser Zwetschken. Ich erinnere mich an seine raue Hand mit dem wertvollen Geschenk. Ich mochte diese Zwetschken sehr. Man brauchte etwas Geduld. Erst wenn man eine Weile darauf herumkaute, entfaltete sich nach und nach der ganze süße fruchtige Geschmack. Jetzt, da ich selbst eine achtjährige Tochter und einen alten Zwetschkenbaum habe, wurde diese Erinnerung wieder wach. Ich habe unsere Zwetschken in Hälften geschnitten und im Dörrapparat gedörrt. Mein Opa hat sie damals ganz gedörrt, mit Stein drinnen.
Simone Christl