Die Weste meiner Schwester

Das war die Weste meiner Schwester Sylvia. Ich erinnere mich gut, wie wir gemeinsam auf die Mariahilferstraße fuhren, um dort für sie eine Weste zu kaufen. Sie war ganz stolz, dass sie abgenommen hatte und wollte daher ein neues Kleidungsstück. Nach längerem Überlegen entschied sie sich für diese dunkelgrüne Jacke. Es dauerte doch nicht lange und ihre Krankheit machte ihr immer mehr zu schaffen. Im Zuge dessen nahm sie immer mehr ab. Bald passte ihr die Weste nicht mehr. Sie verschwand in ihrem Kasten. Eines Tages, als ich sie besuchte, hatte sie die Weste in der Hand. Sie gab sie mir mit den Worten: ”Nimm du sie, ich brauche sie nimmer”. Ich lehnte ab und sagte ihr, dass es ihr bald besser gehen werde und sie dann die Weste wieder braucht. Sie bestand aber darauf und drückte sie mir in die Hand. Leider hat sie Recht behalten, dass sie die Weste nicht mehr anziehen wird. Jetzt liegt die dunkelgrüne Weste bei meinen anderen Westen und erinnert mich an meine Schwester, wann immer ich mir eine Weste nehme. Ich schaffe es aber nicht sie zu tragen, diese grüne Weste.
Elisabeth Deckenbach