Zigarettendose

Die Zigarrettendose stammt von meinem Großvater, einem soignierten Herrn der alten Schule. Sie ist aus Silber und wird so um 1920 entstanden sein. Ich meine, dass man ihr dieses Alter auch ansehen kann. Das Muster an der Außenseite erinnert an ein Netz. Für die heutigen Filterzigaretten ist die Dose zu kurz. Damals hat man Filterlose geraucht oder oft Abadie-Zigarrettenpapier verwendet und sich die Zigaretten selber gedreht. „Die Dame in Email“ am Deckel finde ich besonders attraktiv. Sie trägt ein großzügig ausgeschnittenes, weißes, blau geblumtes Kostüm, einen modischen Hut, Stöckelschuhe und Strumpfbänder. In ihrer behandschuhten Hand hält sie ein Schmetterlingsnetz; ein kleines Körbchen für den Insektenfang hat sie um die Taille gebunden. Wenn man sie in ihrer neckischen Pose genau ansieht, könnte man meinen, dass sie nicht unbedingt auf Schmetterlinge aus ist, sondern recht menschliche Absichten hat. Diese Dose ist zweifellos ein Accessoire für einen Mann; und der wird sie jedes Mal mit Vergnügen verwenden. Da ist mir wirklich etwas entgangen: Ich bin nämlich Nichtraucher.
Peter Binder-Krieglstein